Steirische Wirtshausgeschichten
Hier geben Generationen den Ton an
Im kleinen Ort Oberneudorf, eingebettet in die sanfte Landschaft der Oststeiermark, liegt ein Wirtshaus, das weit mehr ist als ein Ort zum Einkehren. Der Bachwirt ist ein gewachsenes Stück Wirtshauskultur – getragen von einer Familie, deren Betrieb erstmals im Jahr 1900 erwähnt wurde und heute in fünfter Generation geführt wird.
Heute führen Sandra und Franz Pieber den Betrieb mit großem Verantwortungsbewusstsein und spürbarer Hingabe. Wer das Gasthaus betritt, merkt schnell, dass es hier nicht nur um gutes Essen, sondern um ein gelebtes Miteinander geht.
Während Franz in der Küche steht und mit ruhiger Hand die ersten Gerichte des Tages zubereitet, kümmert sich Sandra am Vormittag um Organisation, Einkauf und Vorbereitung. Ab Mittag ist sie im Service präsent – aufmerksam, herzlich und immer nah an den Menschen. Es ist diese Mischung aus Professionalität und echter Nähe, die den Umgang im Haus bestimmt.
„Ich liebe es, wenn mir die Leute erzählen, dass wir es gut machen, so gut wie schon unsere Eltern und deren Eltern“, sagt Sandra Pieber. In diesem Satz steckt vieles von dem, was den Betrieb ausmacht: der Anspruch, Bewährtes weiterzuführen und gleichzeitig mit eigener Handschrift zu prägen.
Aus der Region, für den Tisch
Die Küche des Bachwirts ist fest in der Region verwurzelt und gleichzeitig Ausdruck persönlicher Leidenschaft. Franz Pieber kocht bodenständig und saisonal, mit einem feinen Gespür für Qualität und Herkunft der Produkte. Ein Großteil der Zutaten stammt aus dem unmittelbaren Umfeld: Rindfleisch aus der eigenen Landwirtschaft, Fisch von der Teichalm und Gemüse aus dem eigenen Garten.
Viele Rezepte haben ihren Ursprung in der Familiengeschichte und wurden über Generationen weitergegeben. Besonders das Backhendl steht exemplarisch für diese Kontinuität und hat bis heute unverändert seinen Platz auf der Speisekarte. „Ich bin so glücklich, dass ich mich in einen Koch verliebt habe”, sagt Sandra Pieber mit einem Lächeln - ein Satz, der die persönliche und berufliche Verbindung der beiden auf den Punkt bringt.
Ein fixer Bestandteil des Tages ist das gemeinsame Frühstück am späten Vormittag. Familie und Mitarbeiter:innen kommen zusammen, tauschen sich aus und starten gemeinsam in den Arbeitstag. Dieses Ritual ist Ausdruck von Zusammenhalt, Wertschätzung und Zeit füreinander und eine Haltung, die den Betrieb trägt.
Ein Haus, das verbindet
Beim Bachwirt arbeiten derzeit vier Generationen Hand in Hand: der Uropa, die Eltern, Sandra und Franz sowie ihre Kinder. Die Jüngsten wachsen ganz selbstverständlich in den Alltag des Wirtshauses hinein, während die Älteren ihre Erfahrung und Geschichten weitergeben. Der Urgroßvater ist dabei ebenso Teil des Geschehens wie die jüngsten Familienmitglieder.
"Ich liebe es, wenn mir die Leute erzählen, dass wir es gut machen, so gut wie schon unsere Eltern und deren Eltern."
Sandra Pieber
Mit ruhiger Selbstverständlichkeit übernimmt er kleine Aufgaben, mischt sich unter die Gäste, erzählt von früher oder hilft dort, wo gerade Unterstützung gebraucht wird. „Für das bin i a no zum Brauchen“, sagt er selbst über seine Rolle im Haus.
Der Bachwirt ist damit nicht nur ein Ort des Genusses, sondern auch ein Ort des Erinnerns und Weitergebens. Hier werden Werte gelebt, Geschichten bewahrt und Traditionen fortgeführt. So entsteht ein Wirtshaus, das tief in der Region verankert ist und gleichzeitig offen bleibt für alles, was kommt. Ein Ort, an dem Vergangenheit spürbar ist, Gegenwart gelebt wird und Zukunft wachsen kann.