Steirische Wirtshausgeschichten
Wo das Backhendl zuhause ist
In Auffen bei Hartl, in der Nähe von Bad Waltersdorf, steht ein Wirtshaus, das tief in der Region verwurzelt ist: die Backhendlstation Gasthof Schneider. Ein Familienbetrieb, wie man ihn sich im besten Sinn vorstellt – bodenständig und herzlich. Hier wird die steirische Wirtshauskultur nicht inszeniert, sondern seit Generationen gelebt.
Die Entstehung des Gasthofes geht auf das Jahr 1886 zurück. Heute führt Hans-Peter Schneider den Betrieb in dritter Generation – gemeinsam mit seiner Frau Margrit. Mit den Töchtern Anna-Maria und Esther sowie Esthers Partner Manuel ist auch die nächste Generation bereits Teil des Familienbetriebs. Hans-Peter Schneider ist quasi im Betrieb aufgewachsen und war schon früh überzeugt, dass genau hier sein Platz ist. „Viele wussten früher nicht, was sie werden wollen“, sagt er. „Mit 15 Jahren war’s mir klar. Ich wollte Wirt sein und bin’s mit ganzem Herzen.“
Früher kannte man den Betrieb auch als Kapplwirtschaft, nach dem Spitznamen des Großvaters. Wenn spätabends noch jemand Hunger bekam, hieß es vor dem Schlafzimmerfenster: „Kapplwirt, mir brauch’n an Hahn!“ Dann wurde der Tischherd angeheizt, ein Hahn vorbereitet und wenig später wurde gegessen, gelacht, musiziert und getanzt.
Vom Kapplwirt zur Backhendlstation
So ist Schritt für Schritt die Backhendlstation entstanden. Natürlich spielt die goldbraun gebackene Köstlichkeit eine zentrale Rolle, doch wer glaubt, beim Schneider drehe sich alles nur ums Backhendl, liegt falsch. Die Küche ist traditionell und gutbürgerlich, aber offen für das, was die Saison gerade hergibt: Spargel im Frühling, Grillerei im Sommer, Wild im Herbst, und alte Wirtshausklassiker wie Klachlsuppe oder Beuschel. Damit steht der Betrieb genau für jene steirische Küche, deren Erhalt und Weiterentwicklung dem Steirischen Wirtshaus ein Anliegen ist.
Viele Produkte kommen aus der eigenen Landwirtschaft. Kürbiskernöl, Obst, Apfelsaft, Edelbrände und weitere Spezialitäten stammen aus dem eigenen Betrieb. Als Landwirt weiß Hans-Peter Schneider, woher die Produkte kommen und welchen Wert sie haben. Dieses Wissen fließt in die Küche ein – selbstverständlich und ohne großes Aufheben.
Genauso selbstverständlich ist der familiäre Geist, der das Haus prägt. Verkauft wurde nie, die Seele des Gasthofes blieb erhalten. Eine Geschichte führt zurück in Hans-Peter Schneiders Jugend: „Damals, beim Steirerfest, war ich mit meinen 15 Jahren der jüngste und mein Großvater der älteste Wirt in der Region“, erinnert er sich.
Ein Ort zum Einkehren und Bleiben
Heute ist der Gasthof Schneider Wirtshaus, Ausflugsziel, Treffpunkt, Urlaubsort und Veranstaltungsbetrieb zugleich. Gästezimmer laden dazu ein, ein paar Tage in der Thermenregion Bad Waltersdorf zu bleiben. Für Kinder gibt es Spielplatz, rund um das Haus einen Kneippbereich, den Herzrhythmusweg und einen 33 Meter hohen Aussichtsturm mit weitem Blick über die Region. Doch viele Gäste kommen am Ende wegen etwas anderem wieder: wegen der Menschen im Haus.
Denn beim Schneider wird Gastfreundschaft nicht groß erklärt. Sie passiert. In der Art, wie man begrüßt wird. In der Frage, woher man kommt und wohin man weitergeht. „Wo kummt’s her, wo geht’s hin?“ – das fragte schon der Großvater. Hans-Peter Schneider hat sich diese Aufmerksamkeit bewahrt.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum die Backhendlstation Gasthof Schneider heute über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist. Weil hier einer früh wusste, dass er Wirt sein will. Weil Menschen hier wegen guter Küche, echter Herzlichkeit und gelebter Wirtshauskultur einkehren. Und weil es Betriebe wie diesen braucht, damit das steirische Wirtshaus auch in Zukunft lebendiger Treffpunkt bleibt.
Kontakt
Backhendlstation Schneider
Hans-Peter Schneider
Auffen 20, 8272 Hartl