Steirische Wirtshausgeschichten
Wo das Wirtshaus zum Wohnzimmer wird
Wanche Wirtshäuser entstehen nicht einfach, sie wachsen über Generationen hinweg. Sie entwickeln sich aus Fleiß, aus Zusammenhalt und aus der Freude daran, Menschen zu bewirten. Das Gasthaus Ebner in Übelstein ist genau so ein Ort.
Drei Kilometer südlich von Bruck an der Mur, ruhig gelegen und direkt am Murradweg, ist das Gasthaus heute eine beliebte Einkehr für Gäste aus der Region sowie für Ausflügler:innen, die hier Rast machen und neue Kraft sammeln. Doch die Geschichte dieses Hauses beginnt lange bevor hier Radfahrer:innen ihre Räder abstellen und Familien und Freunde im Gastgarten zusammensitzen.
Was einst als Bauernwirtshaus begann, hat sich über Jahrzehnte zu einem lebendigen Treffpunkt entwickelt. Möglich gemacht hat das einst der Vater von Ingrid Hollerer. Aus der Breitenau kam er nach Übelstein, kaufte Landwirtschaft und Gasthaus und legte damit den Grundstein für das, was bis heute weiterlebt.
Die Familie arbeitete als Landwirte und Wirtsleute zugleich. Nebenbei arbeitete die Mutter noch als Fleischhackerin und der Vater in der Molkerei. Trotz all der harten Arbeit haben sie vier Kinder großgezogen – eine Zeit, an die man sich in der Familie bis heute mit Respekt und einem Lächeln erinnert.
Wenn Ingrid und Reinhard Hollerer von damals erzählen, beginnen ihre Augen zu leuchten. „Damals ist man in der Kuchl g’sessen, hat trunken, g’lacht und um den Tischherd getanzt.“ Es sind Erinnerungen, die zeigen, dass ein Wirtshaus weit mehr ist als ein Arbeitsplatz. Es ist ein wichtiger Treffpunkt und für die Familie der Mittelpunkt des Lebens.
Zwei Generationen, eine gemeinsame Leidenschaft
Mit Ingrid hat Reinhard Hollerer nicht nur seine Partnerin fürs Leben gefunden, sondern auch eine Wirtin aus Überzeugung.
„Ich habe gleich gespürt: Die tickt wie ich – einfach gern Wirtin, einfach gern beim Gast.” Gemeinsam führen sie heute das Gasthaus Ebner, mit viel Herz, mit Offenheit und mit dem Gespür dafür, was ein Wirtshaus ausmacht.
Auch die nächste Generation ist längst Teil dieser Geschichte. Ihre Söhne Florian und Thomas stehen mittlerweile mit in der Küche. Dort verbinden sich alte Familienrezepte mit neuen Ideen: Der Schweinsbraten ihrer Großmutter wird heute modernisiert serviert, zum Beispiel mit dunklem Bier. Die Idee kam von den Söhnen, doch für viele bleibt es noch immer „Omas Schweinsbraten”.
"Ich wollte immer ein großes Wohnzimmer haben – jetzt ist unser Festsaal genau das geworden."
Reinhard Hollerer
Ein Zuhause für Gäste
Genau dieses Miteinander macht ihr Haus so besonders. Stammgäste treffen sich hier zum Mittagessen, Familien feiern Geburtstage oder Taufen, Vereine halten ihre Treffen ab und im Festsaal finden Veranstaltungen statt. „Ich wollte immer ein großes Wohnzimmer haben – jetzt ist unser Festsaal genau das geworden“, sagt Ingrid Hollerer. Im Sommer zieht es die Gäste hinaus in den großen Gastgarten. Während Erwachsene beisammensitzen, erobern Kinder den Spielplatz. Hier werden alle mit Herzlichkeit willkommen geheißen, denn Platz gibt es genug.
Im Gasthaus Ebner verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Leben. Bei der Frage, wer die weiteste Anreise hat, antwortet Reinhard Hollerer mit einem Lachen: „Wir – zehn Stieg’n.”
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses Wirtshauses. Hier wird nicht nur gekocht und serviert, sondern gelebt. Und wer einmal hier war, merkt schnell: Im Gasthaus Ebner kommt man nicht nur zum Essen, sondern bleibt gerne ein bisschen länger – weil es sich einfach gut anfühlt.