Steirische Wirtshausgeschichten
Zuhause im Gastzimmer
Im Gasthof Kraxner in Hatzendorf ist Wirtshauskultur keine Inszenierung, sondern seit Jahrzehnten gelebter Familienalltag. Michaela und Andreas Kraxner führen den Betrieb mit viel Bodenständigkeit, regionaler Küche und dem Bewusstsein, dass ein Wirtshaus weit mehr ist als ein Ort zum Essen.
Michaela Kraxner erinnert sich noch genau an die Geräusche, die ihren Alltag als Kind prägten: das Klirren der Gläser, das Lachen der Gäste, das Klappern der Töpfe aus der Küche. „Unser Gastzimmer war unser Wohnzimmer“, sagt sie mit einem Lächeln. „Wenn wir aus der Schule kamen, aßen wir unsere Hausmannskost nicht am heimischen Esstisch, sondern am Stammtisch zwischen den Gästen.“
Mitten im Ortskern von Hatzendorf, gleich neben der Kirche, war der Gasthof Kraxner immer schon ein Ort, an dem das Dorf zusammenkam. Seit mehr als hundert Jahren wird hier Gastwirtschaft gelebt. Vor über vierzig Jahren übernahmen Michaelas Eltern den Betrieb und machten ihn zu dem, was er bis heute ist: Ein Wirtshaus, das nicht nur Gäste bewirtet, sondern Gemeinschaft stiftet.
Vertrauen über Generationen
Heute führt Michaela den Betrieb gemeinsam mit ihrem Bruder Andreas. Dass die beiden einmal zusammen am Wirtshaus weiterbauen würden, war nicht von Anfang an ausgemacht. Während Michaela früh spürte, dass ihr Weg in die Gastronomie führen würde, zog es Andreas zunächst hinaus in die Welt. Er arbeitete auf einem Kreuzfahrtschiff, sammelte Erfahrungen in anderen Ländern und Kulturen. Erst eine schwere Krankheit führte ihn zurück nach Hatzendorf und damit auch zurück in den Gasthof. „Plötzlich war klar: Wenn wir es machen, dann nur gemeinsam“, erzählt Michaela.
Heute steht Andreas in der Küche, wo regionale und saisonale Produkte die Grundlage bilden. Michaela kümmert sich um den Betrieb, um die Gäste, und all das, was ein Haus dieser Größe zusammenhält. Unterstützt werden die beiden nach wie vor von ihren Eltern Theresia und Manfred. „Natürlich war der Generationenwechsel auch ein Lernprozess. Neue Ideen einzubringen bedeutet immer, Vertrautes zu hinterfragen. Für die Eltern hieß das, loszulassen und neue Wege zuzulassen. Für die junge Generation hieß es, Verantwortung zu übernehmen und trotzdem zu respektieren, was über Jahrzehnte gewachsen ist”, erinnert sich Michaela Kraxner.
"Natürlich war der Generationenwechsel auch ein Lernprozess. Neue Ideen einzubringen bedeutet immer, Vertrautes zu hinterfragen."
Michaela Kraxner.
Warum Wirtshauskultur Zukunft braucht
Das Zusammenspiel aus Tradition und Weiterentwicklung ist für Michaela Kraxner der Kern echter Wirtshauskultur. Ein Wirtshaus ist für sie kein starres Bild aus der Vergangenheit, sondern ein lebendiger Ort, der sich verändert, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Gerade deshalb ist ihr der Erhalt der steirischen Wirtshauskultur so wichtig: Denn wenn Wirtshäuser verschwinden, gehen auch Treffpunkte, Stammtische, Festsäle, Familiengeschichten und Orte der Begegnung verloren.
Auch deshalb engagiert sich der Gasthof Kraxner im Netzwerk Steirisches Wirtshaus. Für Michaela und Andreas ist es eine Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Betrieben sichtbar zu machen, wofür steirische Wirtshäuser stehen: Qualität, Regionalität, Gastfreundschaft und Zusammenhalt. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, gemeinsame Aktionen und das Bekenntnis zu gelebter Wirtshauskultur geben Rückenwind – gerade in einer Branche, die täglich viel Einsatz verlangt.